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Pressespiegel Fischerstechen



Badische Zeitung und Süddeutsche Zeitung

Das Turnier der Wasserritter

In Basel fand am Wochenende zum ersten Mal ein zünftiges Schifferstechen statt – und die Verlierer wurden garantiert nass.

BASEL. Es ist eine jahrhundertealte Tradition, die am Samstag in Basel wieder zum Leben erwachte. Vor der Kraftwerkinsel Birsfelden traten rund 60 Kämpfer gegeneinander an, um sich im beim ersten Basler Schifferstechen zu messen. Organisiert wurde das "Ritterturnier des kleinen Mannes" von der E. Zunft zu Schiffleuten Basel und dem Wasserfahrverein Birsfelden.

Langsam gleiten die Weidlinge aufeinander zu. Die Stimmung ist angespannt, während die Steuermänner ihre Boote beschleunigen und sich die Lanzen der Kontrahenten auf die Brust des Gegners richten. Ein präziser Stoß und das Duell ist entschieden. Mit lautem Platschen stürzt der Verlierer ins Wasser, am Ufer bricht Freudenjubel aus, der Sieger reckt den vier Meter lange Spieß gen Himmel.

Was aussieht wie die Szene eines mittelalterlichen Ritter­tunieres ereignete sich am Samstag vor der Kraft­werk­insel Birsfelden. Dort traten rund 60 Kontrahenten zum ersten Basler Schiffer­stechen an, das von der E. Zunft zu Schiff­leuten Basel organisiert wurde. Der Ablauf der Kämpfe ist simpel: zwei Weidlinge, lange Fischerboote mit besonders flachem Rumpf, fahren aufeinander zu. An jedem Weidling ist eine Platt­form angebracht, auf der die Kämpfer stehen. Sobald die Boote aneinander vorbei­fahren, versuchen die Kontrahenten sich gegenseitig mit der gepolsterten, vier Meter langen Lanze ins Wasser zu stoßen. Verloren hat, wer "nass" wird, wie es im Jargon heißt. "Nass" ist ein Kämpfer natürlich, wenn er ins Wasser fällt. Aber auch, wer seine Brust wegdreht, seine Lanze verliert oder sich an der Waffe des Gegners festhält, verliert das Duell und gilt als "nass".

 

Zwar gibt es das zünftige Schifferstechen schon seit dem 14. Jahrhundert und es wurde in fast allen Fluss- und Seestädten Europas praktiziert, in Basel ist es aber das erste seiner Art. "Wir waren immer etwas neidisch auf Städte wie Zürich oder Ulm, wo das Schifferstechen regelmäßig stattfindet", sagt OK-Präsident Otto Müller. Und deswegen organisierte die E. Zunft zu Schiffleuten Basel gemeinsam mit dem Wasserfahrverein Birsfelden ihr eigenes Stechen. Und zwar erfolgreich, denn zum Turnier traten rund 60 Kämpfer aus Zünften und Wasserfahrvereinen an. Sogar aus Zürich reisten einige der Kontrahenten an.

"Es soll auch nicht bei diesem ersten Stechen bleiben", sagt Otto Müller. "Wir wollen das Schifferstechen auch in Basel zur Tradition machen." Noch sei zwar nichts entschieden, aber die Zunft plant, alle drei Jahre ein Turnier auszurichten. Deswegen gab es für den Gewinner auch einen Wanderpokal. "Den kann er dann an seinen Nachfolger weitergeben", sagt Müller.

Die Trophäe, ein Rheinkiesel mit dem Wappen der E. Zunft zu Schiffleuten, gewann Fabian Sacher vom Wasserfahrverein Rhyburg Möhlin. Pan Thurneysen von der Zunft zu Schiffleuten belegte den zweiten Platz, Dritter wurde Franz Amann vom Rhein-Club Basel.
In der Gruppe der Junioren waren die Basler Pontoniere erfolgreich und belegten gleich zwei Plätze auf dem Treppchen: Ramon Rauber stach sich zum ersten Platz, Jonas Gutjahr erzielte den zweiten Rang. Dritter wurde Till Römmelt vom Nautischen Club Basel.

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der:
Badischen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung
Am 22. August 2011
Von: Julian Kutzim

 


Birsfelder Anzeiger

Am Schifferstechen messen sich Ritter in Badehosen

En garde! Am ersten Schifferstechen der Region Basel vom vergangenen Samstag auf dem Stausee kriegten
die Zuschauer spannende Duelle zu sehen. «Ritter» Claudio Plozza hat zwar den Dreh raus, wie man die
Lanze korrekt hält - am Ende landet er trotzdem im Rhein. Foto Manfred Nassi



Birsfelder Anzeiger - Freitag, 26. August 2011
Nr. 34 - Seite 3

Ritterturnier auf dem Wasser bot heisse Duelle

Die erste Ausgabe des Schifferstechens lockte die Massen an – zwei Politiker kämpften zum ersten Mal auf Schiffen gegeneinander.

Von Benjamin Wieland

Die Lanzen waren aus Bambus statt aus Stahl, als Pferde dienten Weidlinge, und die Kontrahenten waren Zivilisten und keine Ritter. Trotzdem: Das Schifferstechen vom vergangenen Samstag brachte einen Hauch von Mittelalter auf die Kraftwerkinsel – und die Zuschauer kamen in Scharen. Sieger war natürlich derjenige, der trocken blieb. Oft waren dies beide Kämpfer, denn die meisten Duellanten standen zum ersten Mal mit einer Lanze auf einem Schiff, und da ihnen sichtlich die Übung fehlte, verfehlten viele ihren Gegner.

Das verwundert nicht, schliesslich war es das erste Schifferstechen in der Region Basel – ganz im Gegensatz zu Zürich, wo das Schifferstechen eine Tradition darstellt: In der Limmatstadt ist es das erste Mal für das Jahr 1576 dokumentiert.

WFV machte sofort mit

Die Basler Zunft zu Schiffleuten hatte es sich vor zwei Jahren zur Aufgabe gemacht, das Schifferstechen auch in der Nordwestschweiz zu etablieren. Was bot sich dazu besser an als der Stausee?, dachten sich die Zunftbrüder und klopften beim Wasserfahrverein Birsfelden (WFV) an, um diesen als Partner zu gewinnen. WFV-Präsident Stefan Herger erinnert sich: «Wir fanden das sofort eine gute Idee und machten uns an die Aufgabenteilung.» Die Schiffleute kümmerten sich fortan um das Sportliche – der WFV bestellte die Festwirtschaft und brachte seine Erfahrungen auf dem Stausee in die Planungen ein.

An der Premiere klappte dann alles wie am Schnürchen. André Auderset, Medienverantwortlicher des Anlasses, zeigte sich zufrieden: «Wir waren überrascht vom grossen Zuspruch. 48 Leute machten mit – gerechnet hatten wir mit 32.» Einen der Duellanten kannte Auderset gut: Es war Franz Haerri, Meister der Zunft zu Schiffleuten und sozusagen sein Chef.


  Das waren die Besten

  Aktive
  1. Fabian Sacher, WFV Rhyburg-Möhlin
  2. Pan Thurneysen, Zunft zu Schiffleuten   
  3. Franz Amann, Rhein Club Basel

  Junioren
  1. Ramon Rauber, Basler Pontoniere
  2. Jonas Gutjahr, Basler Pontoniere
  3. Till Römmelt, Nautischer Club Basel


Wackelige Angelegenheit auf dem Stausee: Die Begegnung zwischen Claudio Sorman (Gewinner)und Pascal Neuenschwander (blaue Hose / Verlierer) endet für beide «Ritter» mit einem Wasserbad. - Foto Manfred Nassi

Haerri bewies, dass seine Zunft das Wort Schiff zu Recht im Namen trägt: Er stiess zwei Kollegen ins Wasser, nämlich Hansjörg Plüss, Meister der Zunft zu Fischern, und Rolf Plattner, Meister der Zunft zu Schmieden.

Zweitausgabe im Jahr 2013

Eine andere süffisante Angelegenheit war das Duell zwischen Nationalrat Beat Jans (SP) und dem «höchsten Basler», Grossratspräsident Markus Lehmann (CVP). Lehmann, der bekanntlich auch für den Nationalrat kandidiert, besiegte seinen Konkurrenten auf dem Wasser. Ob ihm das auf festem Boden auch gelingt, das werden die Wahlen im Oktober zeigen …

Ein bisschen länger warten muss man auf das nächste Schifferstechen: Die zweite Ausgabe soll im Jahr 2013 stattfinden.

 


Letzte Aktualisierung am 25.04.2012